Fundsachen

Wer kennt es nicht, man wandert am Strand entlang und findet einen schönen Stein, eine besondere Muschel, ein Stück verwittertes Holz, vielleicht ein paar wunderschöne Federn. Mich inspirieren solche Spaziergänge. Wenn ich das Sammeln anfange, so dauert es mitunter etwas, bis die Fundstücke mir ihre Geschichte erzählt haben, ich eine Idee bekomme, wie ich sie zu einem Schmuckstück verarbeite. Immer aber trägt so ein Schmuck ein Stück seiner Herkunft und meiner Stimmung an besagtem Tag und Ort in sich, erinnert mich daran. So ist Schmuck mehr als „nur“ ein schmückendes „Etwas“, es ist ein Teil einer  und in Folge meiner Geschichte. An dieser Stelle möchte ich die Geschichte dieser 5 Fundstücke erzählen, die vor nicht allzu langer Zeit in meinem Briefkasten landeten, mit einem Anschreiben der „Finderin“, die sich wünschte das ich sie zu einer Kette verarbeite, da sie für sie eine besondere Bedeutung haben und symbolisch für eine wichtige Etappe stehen.

charlottes-steine

Meine ersten Überlegungen, bevor ich mit Skizzen anfange, sind folgende: Die beiden  Steine haben zwei ganz unterschiedliche  Seiten, das möchte ich gerne zeigen, ich möchte das die kette von beiden Seiten tragbar ist oder aber diese beiden Steine sich drehen..was heisst das ich sie durchbohren werde… Ich möchte gerne den Fundort festhalten, symbolisch, um die Bedeutung  nochmal zu würdigen, also werde ich mir die Koordinaten besorgen..

Die erste Skizze hierzu:

glas1

Inzwischen habe ich die Koordinaten  nebst einer sehr schönen Beschreibung des Fundortes bekommen:

„…..und so mieten wir alljährlich ein Ferienhäuschen direkt hinter den Dünen und veranstalten da „offenes Haus“….während die Jungs sich gegenseit überbieten mit Surfen, Segeln, Drachen steigen lassen, Beach Volleyball und fulminanten Fußballmatches, treibt es mich immer am Wasser entlang. Von unserem Strandaufgang meistens in Richtung Süden. Dort mündet das romantischste Flüsschen, das ich überhaupt kenne. Bis zur kleinen Brücke ist es von Dünen gesäumt; danach sind es die Heckenrosen und die Heide, die neben dem Flüsschen duften. Kaum je begegnet man einem Menschen, wenn man dort entlang wandert. Es gibt schwimmende Schlangen, Eisvögel und Fischotter so sehen, wenn man sich still ans Ufer setzt. Und rundherum blühen die Heilpflanzen. Für mich ist das ein magischer Ort….“

Nachdem ich diesen Text zugeschickt bekommen habe weiß ich: zusätzlich zu den Fundstücken möchte ich ein Stück von dem hier skizzierten Bild, den Heilpflanzen, der Natur, dem was diesen „magischen Ort“ ausmacht, in das entstehende Schmuckstück „reinpacken“. Erste innere Bilder tauchen auf, mein Wunsch: ich möchte eine Signatur von 2-3 Pflanzen verwenden. Wie, das wird sich zeigen. Heute werde ich erste Werkproben machen, da heisst es walzen, ausschneiden, kleben, formen sammeln und hin und her schieben, mal sehen was kommt…und die beiden zu durchbohrenden Steine gehen auf Reisen, denn das lasse ich in diesem Fall lieber machen..

Inzwischen haben alle 5 Fundstücke eine massgeschneiderte Fassung bekommen und bei der Vielzahl an Möglichkeiten wie sie aufgefädelt werden , ob beidseitig tragbar, vielleicht sogar variabel, je nach Laune, veränderbar, habe ich folgende Mail an die „Eigentümerin“ geschickt:

„Liebe Charlotte, so, ein paar (schlechte ) Fotos… Nun brauche ich deine Unterstützung respektive Mitentscheidung: Wie möchtest du die Fundstücke angeordnet haben? Und: so das du sie jederzeit umsortieren kannst, wenn dir danach ist oder noch eine Idee? Ein Reif?Eine Kette?…“

zusammen mit diesen 3 Fotos:

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anordnung-2

 

anordnung-3

 

Fortsetzung folgt…

Inzwischen ist der Frühling  bei uns angekommen und die fertige Kette hat Charlotte erreicht! Versehen mit ein paar Geheimnissen auf der Rückseite und einem Verschluss ist sie nun vollendet. Es war noch spannend mich für eine Aufhängung zu entscheiden. In der näheren Auswahl waren Silberkette, Stahlreif und Moosgummi. Die Wahl ist auf Moosgummi gefallen und , versehen mit einem Bajonettverschluss, finde ich die Wahl gut, da weder Moosgummi noch Verschluss all zu sehr in den Vordergrund treten und somit die 5 Fundstücke im Fokus bleiben.

Und voila:

charlottes3

und

charlottes4

und

charlottes2

und

charlottes1

Mein persönliches Fazit:

Es ist etwas ganz besonderes für jemanden ein Stück an zu fertigen, in diesem Fall sehr emotional beladen und mit nicht so „gefälligen“ Fundstücken…  Ich fertige besonders gerne „so nah am Menschen“  und in enger Zusammenarbeit mit dem zukünftigen „Besitzer“ Schmuckstücke, da es eine ganz besondere Form der Nähe und Vertrauen und Einfühlungsvermögen auf beiden Seiten bedarf. So begegnen mir unverhofft ganz tolle Menschen, so wie in diesem Fall Charlotte, die ich für eine sehr begabte Fotografin halte!

Wer neugierig geworden ist, möge mal schauen unter:

www.charlottefischer.de

Danke dir, Charlotte, für dein Vertrauen!